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Ethymologie

Herkunft des Wortes Mediator

aus den antiken biblischen und außerbiblischen Quellen

Das griechische Äquivalent zum lateinischen von "medium" (= Mitte) abgeleiteten "mediator" (= Mittler) ist die seit Polybios belegbare hellenistische Wortbildung "mesitäs". So wie von "polis" (= Burg, Stadt) "politäs" (= Bürger, Städter) gebildet wird, stammt analog "mesitäs" vom Adjektiv "mesos" (= in der Mitte befindlich).
Demnach bezeichnet "mesitäs" eine Person, die sich in der Mitte zwischen zwei Größen befindet. Von dem Substantiv abgeleitet ist das Verb "mesiteuo" (= die Funktion eines Mittlers ausüben), wieder wie bei "politeuo" (= als Bürger/Staatsmann leben) von "politäs".

Schon "mesos" ist zu einem Begriff der Rechtssprache geworden. Es meint den neutralen Ort zwischen zwei streitenden Parteien, den der Schiedsmann als Schlichter und Richter einnimmt, vorkommend bei
· Homer, Ilias 23,574: "es meson amphoteroisi dikassate" = urteilt unvoreingemonnen zwischen beiden!
· Aristoteles, Nikomachische Ethik, 1132a,22f: Man sucht den Richter als "mesos", also den, der in der Mitte steht, und manche nennen ihn "mesidios"(entspr. dem späteren hellenistischen "mesitäs").

Das ursprünglich förmlich vollzogene Zeremoniell des Dazwischentretens ist Ausgangspunkt späterer abstrakter Begrifflichkeit. Demnach hat der Mittler die Funktion eines neutralen Dritten, wobei "mesitäs" als Fachausdruck der Rechtssprache sehr vieldeutig ist. Es kann sowohl den Vergleichsrichter, Schiedsmann in nichtamtlichen Verfahren zur Vermeidung eines solchen vor gericht als auch den Sequester (Treuhänder) bezeichnen, der eine strittige Sache in Verwahrung nimmt. Schließlich ist der "mesitäs" auch Zeuge eines getätigten Rechtsgeschäfts, der die Durchführung der getroffenen Vereinbarungen garantiert.

Das Verb "mesiteuo" lässt aber auch auf eine Funktion des Mittlers schließen, nach der er als Unterhändler/Parlamentär im Auftrage nur einer Partei eine Beziehung zu einer anderen Partei erst herstellt und entsprechende Regelungen (z.B. Friedensschluss) herbeiführt.

Quelle: Begriffslexikon zum Neuen Testament, Brockhaus-Verlag